Ein bisserl Pleite

Bild eines Mönchsgeiers
Mönchsgeier

Jetzt ist es soweit. Irgendwie ist Argentinien jetzt Pleite. Irgendwie aber auch nicht. Oder doch?

Pleite

Da gibt es einerseits die Ignoranz der Situation des Regimes von Argentinien seit der letzten von bisher 7 Staatspleiten (2001). Die letzten 6 Staatspleiten waren in den Jahren 1827, 1890, 1951, 1956, 1982 und 1989. Immerhin wurden ja damals die Staatsanleihen von den sogenannten „Geierfonds“ gekauft, und dann im Jahr 2005 wurde mit rund 75% der Kreditgeber ein Schuldenschnitt um knapp 70% vereinbart.
Andererseits die neowirtschaftsliberale Freiheit, welche es erst möglich macht, dass jemand (ein Fond) es durchzusetzen vermag rund 1.700% Gewinn einzufahren.
Dies befreit aber trotz allem die argentinische Regierung nicht von ihrer Verantwortung, derer sie ja schon mit der Ausgabe der Staatsanleihen in US$ nach US-Recht nicht nachgekommen ist, und auch danach nicht die notwendigen Maßnahmen getroffen hat, um eine ausreichende Wirtschaftsleistung zu erreichen.

Repressalien gegen das eigene Volk

Die wirtschaftliche Instabilität, welche in Argentinien andauert war in den letzten Jahren durch verschiedene Maßnahmen der Regierung klar ersichtlich. Eine der letzten Maßnahmen war die Einschränkung des Online-Shoppings. Davor gab es bereits eine sehr starke Restriktion für argentinische Staatsbürger Fremdwährung zu kaufen (2011). Ein Argentinier muss dafür Formulare ausfüllen. Aber seit einigen Monaten dürfen argentinische Staatsbürger, welche zumindest AR$ 7.200,- monatliches Einkommen haben, wieder monatlich bis zu US$ 1.000,- einkaufen. Daher gibt es auch einen Schwarzmarkt für den Devisenhandel. Ach, fast vergessen. Wenn man in Argentinien um mehr als AR$ 1.000,- einkauft, muss man natürlich auch Formulare ausfüllen. Die wandern dann wieder zu irgendwelchen Behörden.

Jetzt ist es halt soweit dass Argentinien von den Rating-Agenturen (sind für mich auch irgendwie Verbrecher) mit Semi-Default (=teilweise Zahlungsunfähig) oder Default (=Zahlungsunfähig) eingestuft wurde.

Wachstum im Umfeld der Familie Kirchner

Etwas sollte man auch nicht ganz aus den Augen verlieren. Das Regime der Familie Kirchner hat auch für einen Aufschwung in der Rückzugsregion (Calafate) von Cristina Fernandez de Kirchner gesorgt. Verwunderlicherweise dadurch dass dort 3 Hotels gebaut wurden (Eigentümer sind die Kirchners) und auch sonst einiges an Land eingekauft wurde.

Zu den wirtschaftlich fragwürdigen Methoden, welche den Einwohnern von Argentinien eine Stabilität vorgaukelt, welche nicht vorhanden ist, gehört das Einfrieren von Endverbraucherpreisen und die sehr freie Gestaltung der Wirtschaftsstatistik. Damit gibt es dann auch 2 verschiedene Inflationswerte. Den offiziellen von rund 10% und im Vergleich dazu den echten von rund 25%. Wobei aber dieses Jahr sicher von echten 50% Wertverlust des Pesos ausgegangen werden darf.

Wie geht es jetzt weiter?

Ob, und wie, jetzt noch eine Verzögerung oder Abwendung der Pleite kommt werden die nächsten Tage zeigen. Es gibt da verschiedenste Gerüchte. Etwa von argentinischen Banken, welche ein Quäntchen beitragen wollen/sollen/müssen. Oder aber dass internationale Großbanken die Staatsanleihen von den Aasgeiern abkaufen.

deutschsprachige Verweise:

auch im spanischsprachigen Pressebereich gibt es einiges:

Wer ein bisserl sucht, findet noch viel mehr. Und diesmal ist auch unserer Presse voll davon. Bis Ende des Jahres 2013 war es sehr schwierig Artikel zum Zustand Argentiniens in der deutschsprachigen Presse zu finden.