Fußballübertragungen in Argentinien – Ein Mittel für die Staatspropaganda

Ein ganz interessanter Artikel aus der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung„, von deren Lateinamerika-Korrespondenten Josef Oehrlein aus Buenos Aires:

Mitten in der Nacht ist Argentiniens Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner der Kragen geplatzt. Verlässlichen Berichten zufolge ordnete sie an, „alle hinauszuwerfen“. Gemeint waren die Mitglieder eines Medienteams, das ein neues Konzept für die Übertragung von Fußballspielen im staatlichen Fernsehen ausarbeiten sollte.

Im Großen und Ganzen ein für mich nicht verwunderlicher Inhalt, in diesem Artikel. Wie ich die Situation in Argentinien (durch Erzählungen meiner privaten Kontakte im Land) mitbekomme, bestätigt dieser Artikel nur meine Wahrnehmung.

Einige Infos, welche mir in den letzten 3 Jahren mitgeteilt wurden:

  • 2011/2012:
    • Einschränkung des Devisenkaufs für Argentinier in Argentinien
    • Bei Einkäufen ab AR$ 1.000,- muss ein Formular für die Finanzbehörde ausgefüllt werden.
    • Einschränkungen der Reisefreiheit / Repressialien beim Reisen (Hochnotpeinliche Befragung bei Auslandsreisen, Woher ist das Geld für die Reise, Wieso will ein Argentinier den ins Ausland, …)
    • Bezahlte Demonstranten Pro-Regierung, welche 1. mit dem Autobus aus der Provinz in die Hauptstadt gefahren werden, 2. Verpflegung bekommen, und 3. eben eine Bezahlung fürs Demonstrieren bekommen
    • tieffliegende Flugzeuge über der nördlichen Provinz Santiago del Estero, vermutet werden Drogenlieferungen
    • Inflation steigt auf ~25%
    • Paralleler Wechselkurs etabliert sich (Dolár Blue, arbólitos, cuevas)
  • 2013
    • Einfrieren der Preise bei dem definierten Warenkorb (~200 Produkte), die Händler halten sich oft nicht daran.
    • Inflation bleibt gerade noch bei 25%
    • Streik der Polizei mit Ausschreitungen der Bevölkerung
  • 2014
    • Einschränkung des Onlinehandels der argentinischen Bürger bei ausländischen Unternehmen (amazon, ebay, ..), Warenlieferung nicht mehr an die gewünschte Adresse, sondern nur noch ans Zollamt
    • Kursverfall des AR$ an einem Tag um ~19%, Ende Jänner
    • „Liberalisierung“ des Deviseneinkaufs für die argentinischen Bürger, ab einem Einkommen von ~AR$ 7.200,- darf wieder Fremdwährung im Gegenwert von US$ 2.000,- gekauft werden, bei ~20% Steuern

Ins Gesamtbild passt die aktuelle Meldung dann wirklich gut.

Laut dem verlinkten Artikel wird Fußball in Argentinien für die Staatspropaganda verwendet, um von der galoppierenden Inflation abzulenken, ebenso wie von der vorherrschenden Korruption.

Nachdem die Begeisterung für diesen „Sport“ in Argentinien wirklich ziemlich hoch ist, ist es ja nur logisch, dass das totalitäre Regime dieses Mittel verwendet. Sonst wäre das Regime ja auch nicht totalitär. Neben der Bereicherung der machthabenden politischen Kaste (gibt’s auch anderswo, aber nicht ganz so offen und unverschämt), steigt auch permanent die Kluft zwischen Reich und Arm.

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La Campora-Hintergrundbild
La Campora-Hintergrundbild

Was für mich nun ein neuer Begriff ist, ist die Jugendorganisation „La Cámpora„, welche anscheinend einen Vergleich mit den Jugendorganisationen unserer Vergangenheit (30er und 40er Jahre) nicht zu scheuen braucht.

Meine Befürchtung, dass das Land bald wieder in einer Diktatur endet, oder vielleicht „nur“ einen Finanzcrash hat wird stärker.

via Fußballübertragungen in Argentinien: Elf Freunde Kirchners müsst ihr sein – Ausland – FAZ.

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